Geschichte

Rövenich und seine Geschichte / Entwicklung

 

Das genaue Alter Rövenichs ist und bleibt ein Buch mit sieben Siegeln. Aufgrund von Grabungsfunden könnten Bandkeramikerstämme in der Steinzeit (ca. 4.600 Jahre v. Chr.) hier einen Lagerplatz oder eine Bleibe gefunden haben. Drei Rövenicher Funde belegen die sehr frühe Besiedlung:

· Ein Steinbeil aus grauem Amphibolit (Rössener Keil) ist der mittleren Jungsteinzeit (4.400 bis 4.750 v. Chr.) zuzuordnen.

· Ein ovaler Faustkeil aus quarzitischem Material lässt sich auf das 3. bis 4. Jahrtausend v. Chr. datieren.

· Ein Schlagstein aus Schieferton-Material, mit dem Keile, Klingen und Feuersteine bearbeitet wurden.j

 

Steinzeitliche Funde

Rövenich liegt im gesegneten Flachland des alten Zülpichgaues und gehört zu der großen Gruppe von hiesigen Orten, deren Name schon ein hohes Alter verrät. Und mit großer Sicherheit war das Zülpicher Land schon um 50 v. Chr. von keltischen Eburonen besiedelt. Viele Orte hier enden auf „-ich“. Und da die Kelten meist in Tälern und an Flussniederungen, hier also an Neffel- und Rotbach siedelten, wäre der Name Rövenich etwa so auszulegen: Bestandteil „-ich“ hieß zur keltisch-römischen Zeit (um Christi Geburt; Zülpich hat 70 n. Chr. bereits existiert) „-acum“ oder -icum“. Indem er dem Namen des Eigentümers angehängt wurde, bezeichnete er ein Besitzverhältnis. Ein Kelte oder ein Römer Rufinus mag das dort nahe der römischen Heerstraße Köln – Zülpich – Trier – Reims (die bereits 14 n. Chr. bestand) errichtete Haus oder Gut Rufiniacum (= Heim des Rufinus) genannt haben. Aus dem keltisch-römischen Rufiniacum entstand zur Frankenzeit Rufenich, Ruvenich und Roevenich. Die Form Ruvenich ist urkundlich 1299, Roevenich bereits 1419 bezeugt. Aus dem Haus oder dem Gut Rufiniacum entwickelte sich im Laufe der Zeit der Ort. Am heutigen Siechhaus soll seinerzeit eine letzte römische Signalstation diesseits Zülpich gestanden haben.

1124 wird erstmalig eine Kirche urkundlich erwähnt. Rövenich bildete im 15. Jahrhundert eine Jülicher Unterherrschaft, in der der Herr von Bollheim die landesrechtliche Gewalt ausübte. Die Rövenicher Umgebung war fast alle Jahrhunderte hindurch Schauplatz heftiger Kämpfe zwischen den Jülicher und Kölner Landesherren. Auch die Kriege der Franzosenkönige brachten neues Unheil über die Gegend. Eine konstante Weiterentwicklung des Ortes zeigt auch, dass 1698 in einem kirchlichen Visitationsbericht bereits eine Schule erwähnt wird. Die Einwohnerentwicklung zeigen die folgenden Zahlen:

1794 = 173 Einwohner

1899 = 271 Einwohner

1998 = 463 Einwohner

2012 = 450 Einwohner (stand 31.12.2012)

Von der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einsetzenden Industrialisierung wurde Rövenich nur am Rande erfasst. Die Landwirtschaft war und ist nach wie vor vorherrschend.

Rövenich war bis Mitte des 20. Jahrhunderts ein Straßendorf mit beidseitig an der Dorfstraße angeordneten Hofstellen. Die hatten die unterschiedlichsten Bauformen. Ehemalige sogenannte „Vierseithöfe“ befinden sich auf der Oberelvenicher Straße 45 und 46.

Durch die kommunale Neugliederung im Jahre 1969 wurde auch Rövenich zum 01. Juli 1969 in die Großgemeinde Zülpich integriert, durch die Verwaltung der Stadt Zülpich betreut und durch den Bürgermeister politisch vertreten. Damit ging eine fast 125-jährige erfolgreiche Eigenständigkeit verloren.

 

 

Das Siechhaus und die Johanniskapelle k

 

 

Dort, wo die im 9. Jahrhundert gebaute Aachen-Frankfurter Heerstraße (auch Krönungsstraße genannt) früher die römische Heerstraße Köln – Zülpich – Trier – Reims kreuzte, lag die im 15. Jahrhundert gebaute und zu Rövenich gehörende „Siechenanstalt“. Erste urkundliche Erwähnung 1479. Als die Gründerin der Siechenanstalt, Elisabeth von Brohl, Gemahlin des Wilhelm von Vlatten zu Dreiborn, im Jahre 1486 starb, bestand die Anstalt aus sechs Siechen-(Wohn-)Häusern, einer Kapelle und einem Gasthaus, das der Behandlung der Kranken dienen sollte. 1712 wurden die baufälligen Siechenhäuser abgerissen. Die Kapelle wurde 1698 „erneuert“.

Das auf Leinwand gemalte Altarbild des hl. Johannes des Täufers, dem die Kapelle geweiht wurde, aus dem 17. Jahrhundert, hängt seit der letzten aufwendigen Restaurierung in 1992 in der Rövenicher Pfarrkirche St. Pankratius. Die letzte große Kapellenrenovierung fand 1986 / 1987 statt.

Die „Siechen-Gaststätte“ war Jahrhunderte lang Bestandteil der „Siechenanstalt“, und auch nach dem Abriss der „Siechen-(Wohn-)Häuser“ in 1712 bestand das Haus fort. Heute wird das „Siechhaus“ als Café mit Fremdenzimmern bewirtschaftet.

Der Rövenicher Burgus l

Burgus ist eine von den Römern entlehnte germanische Bezeichnung für turmartige kleinere Kastelle der Spätantike (284-565 n. Chr.), die teilweise auch mit einem Außenwerk und umlaufenden Gräben versehen waren. Der Burgus von Rövenich ist anhand von Luftaufnahmen im Jahr 1964 entdeckt worden.

 

Zülpich-Rövenich, Nordostflanke des Burgus

Im Nordosten von Rövenich steigt das Gelände etwa 7 Meter sanft an, um dann in ein langgestrecktes Plateau überzugehen. Am südwestlichen Rand dieses Plateaus, also der Rövenicher Senke und dem Rotbachtal zugewandt – in der Nähe der heutigen L 264 – lag ein römischer Gutshof, dessen Mauerreste bei der Feldbestellung gelegentlich (und nicht nur früher, sondern auch heute noch) zu Tage treten. Südöstlich davon und in nur ca. 50 Metern Entfernung erscheint als Luftbild ein nahezu quadratisches Gebilde, das sich als dunkler Streifen – einen Graben andeutend – aus der Umgebung abhebt. Solche viereckigen, grabenumwehrten Anlagen sind als Burgi bekannt, als römische Wehreinrichtungen, die seit der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts – und nicht nur im niedergermanischen Rheinland mit kleinen Truppenabteilungen, die aus verschiedenen Waffengattungen zusammengesetzt sind – an Grenzstrecken und Fernstraßenverbindungen militärische Sicherungsmaßnahmen unterstützen. Sie bestanden aus einem massiven Wachturm, den bisweilen kleinere Gebäude und Keller für Vorräte und Munition umgaben. Das ganze Areal war von einem Wall oder einer Palisade eingefriedet.

Als Annährungshindernis diente außen ein Wehrgraben, der aber kein Wasser führte. Dieses Grabenviereck ist als nachhaltigster Eingriff in den Boden auf dem Luftbild deutlich zu sehen.

Aus der benachbarten Situation von Burgus und römischem Bauernhof bei Rövenich darf man vielleicht auf eine „Beschützerfunktion“ dieser Wehranlage schließen. Die römische Heerstraße Reims – Trier – Zülpich – Köln war allerdings kaum mehr als 1 km weit entfernt.

Damit der Nachwelt die römischen Bauwerke erhalten bleiben, wurde das Ganze nach entsprechender archäologischer Auswertung wieder mit Erde verfüllt.

 

 

Lagekarte:

 


Erstellt im Mai 2013

Quellen: 

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